Auswirkungen der Zeitumstellung auf unseren Körper

Die halbjährliche Zeitumstellung kann den Körper ganz schön durcheinander bringen. Wir klären, welche Auswirkungen die Zeitumstellung mit sich bringt und warum es sie überhaupt gibt.

In Deutschland wurde die Zeitumstellung erstmals von 1916 bis 1918 mit dem Ziel eingeführt, das Tageslicht des Sommers optimal auszunutzen und gleichzeitig Energie zu sparen. Diese These wurde jedoch widerlegt, da wir die Energie, die wir im Sommer einsparen, im Winter wieder zum Heizen nutzen.
Der zweite Grund zur Einführung der Zeitumstellung, war schlichtweg die Anpassung an die Nachbarländer, die das Modell der Zeitumstellung schon früher eingeführt hatten.

Zweimal im Jahr bringen wir mit der Zeitumstellung unseren Biorhythmus durcheinander. Am letzten März Wochenende wird die Sommerzeit eingeläutet und die Uhr von 2 Uhr auf 3 Uhr vorgestellt. In der Nacht des letzten Oktoberwochenendes wird die Uhr um 3 Uhr nachts eine Stunde zurückgestellt und die Winterzeit beginnt. Um die Richtung der Zeitumstellung nicht durcheinander zu bringen, gibt es einige gängige Eselsbrücken:

  • Die Zeitumstellung funktioniert wie ein Thermometer: Im Frühjahr haben wir meist Plus Temperaturen  während die Temperatur im Winter in den Minusbereich wandert.
  • Spring forward, fall back: Im Frühling (spring) wird der Zeiger eine Stunde vorgedreht, im Herbst (fall) wird der Zeiger eine Stunde zurückgedreht.
  • Im Sommer stellt man die Gartenmöbel vor das Haus, im Winter stellt man sie wieder zurück.

Diskussion um die Zeitumstellung

Anfang des Jahres 2020 schien das Thema und die damit einhergende Diskussion um die Zeitumstellung erledigt: Am 26 März stimmte das europäische Parlament in Straßburg einer Abschaffung zu. An der EU-Umfrage beteiligten sich jedoch nur rund 4,6 Millionen Menschen - die Mehrheit (3 Millionen) kam dabei aus Deutschland.
Folglich sollten die Uhren 2021 zum letzten Mal gestellt werden. Damit die Änderung in Kraft tritt, müssten aber auch die EU-Staaten mehrheitlich zustimmen. Die Umsetzung der geplanten Zeitumstellung steht zurzeit also noch in den Sternen.

Chronobiologie

Als Chronotypen werden verschiedene Merkmale von Menschen bezeichnet, die aufgrund der inneren Uhr unterschiedliche Merkmale wie z.B. Schlaf- und Wachphasen zu unterschiedlichen Tageszeiten aufweisen.
Dabei wird zwischen zwei Chronotypen unterschieden: die Lerche und die Eule. Als Lerche werden all diejenigen bezeichnet, die früh ins Bett gehen und auch früh aufstehen. Eulen sind all diejenigen, die spät ins Bett gehen und spät aufstehen.

Der Unterscheid zwischen den beiden liegt in der inneren Uhr. Im Gegensatz zu den Lerchen leben die Eulen gegen Ihren Rhythmus und gewöhnen sich auch nicht daran. Darunter leidet dann wiederrum der soziale Jetlag, also die Unstimmigkeit zwischen biologischer, innerer und sozialer Uhr. Weil die innere und äußere Uhr unterschiedlich ticken, verschiebt sich der Schlaf-Wach-Rhythmus.

Auswirkungen auf den Körper

Jeder vierte Deutsche hat mit der Zeitumstellung zu kämpfen. Denn die verschobene Stunde, egal ob nach vorne oder nach hinten, hat Auswirkungen auf unseren Biorhythmus. Der Biorhythmus wird von einem Teilsystem unseres Organismus gesteuert, der sogenannte innere Uhr.
Diese beeinflusst die menschliche Lebensweise von Geburt an.
Die Tage nach der Zeitumstellung, vergeht die Zeit oft rasend schnell und wir verspüren Müdigkeit und Niedergeschlagenheit.

Auswirkungen auf den Schlafrhythmus

Der Tag der Umstellung ist im Herbst 25 Stunden lang. Auch wenn es sich hier nur um eine Stunde handelt, haben viele Menschen damit Probleme, da der Körper aus dem ursprünglichen Rhythmus gerissen wird.
Im Herbst zeichnet sich das meistens durch das frühe Dunkelwerden aus. Denn sobald es dunkel ist, wird der Botenstoff Melatonin vermehrt ausgeschüttet. Dieser bremst unsere Aktivität und sorgt für eine mehr oder weniger starke Müdigkeit. Ist der Anstieg des Botenstoffes am Hochpunkt angekommen, befinden wir uns im Tiefschlaf.
Wird es am Morgen wieder hell, sinkt der Melatoninspiegel wieder ab und unser Körper wird wach. Wer seinen Schlafrhythmus nicht einhält, kann unkonzentriert oder schlimmstenfalls krank werden. Darunter können sowohl das Wohlbefinden, als auch der Kreislauf und der Stoffwechsel leiden.

Auswirkungen auf die Gesundheit

Bereits kleine Schwankungen können Auswirkungen auf unseren Schlaf-Wach-Rhythmus und auf unsere Gesundheit haben. Bis sich der Körper an die Veränderungen angepasst hat, kann es mehrere Tage dauern, da sich der Organismus an Umweltreizen, wie dem Sonnenlicht und der Dämmerung, orientiert.

Zudem steigt die Zahl der Verkehrsunfälle, da die Menschen mit mehr Müdigkeit zu kämpfen haben und der Berufsverkehr weiter in die Dämmerungsstunden gezogen wird. Bis sich der Körper wieder neu eingestellt hat, können verschiedenste Symptome auftreten:

  • Schlafstörungen/Müdigkeit
  • Depressive Verstimmungen
  • Konzentrationsschwäche
  • Gereiztheit
  • Appetitlosigkeit
  • Verdauungsprobleme

Auswirkungen und Symptome vorbeugen

Damit es möglichst nicht zu den eben genannten Symptomen kommt, hilft es, den Körper langsam an die neue Routine zu gewöhnen. Eine Möglichkeit ist es, den Abend vor der Herbstumstellung früher ins Bett zu gehen, damit sich der Schlafrhythmus bereits vorab der Umstellung anpassen kann. Hierbei zeichnen sich auch schon 10 Minuten als erfolgreich aus.

In der Woche nach der Zeitumstellung sollte man besonders achtsam im Straßenverkehr sein und bei starker Müdigkeit eher auf die öffentlichen Verkehrsmittel ausweichen. Zudem ist es hilfreich, eine Woche keinen Mittagsschlag zu machen und stattdessen lieber eine Erholungspause einzulegen. So kann sich die innere Uhr besser einpendeln und wir schlafen nachts besser.

Wenn man Probleme beim Einschlafen hat oder einfach nicht so früh ins Bett gehen kann, hilft ein warmes Fußbad, Bettsocken oder Entspannungstechniken. Außerdem tragen Bewegung an der frischen Luft (bspw. Spaziergänge und Fahrradfahren) dazu bei, besser einschlafen zu können. 

Generell können viele Kleinigkeiten, den sowieso bereits irritierten Rhytmus des Körpers ins Wanken bringen. Somit sollten Dinge wie Stress und Streitgespräche vermieden werden, wenn man zu einem unruhigen Schlaf neigt und auch unter normalen Umstände Probleme mit dem Prozess des Einschlafens hat. Auch eine temporäre Ernährungsanpassung kann helfen den Körper ins Gleichgewicht zu bekommen. Fettige Mahlzeiten, Kaffee und andere aufputschende Getränke bewirken hier eher das Gegenteil.

Foto: © MichaelJBerlin