Im Gespräch mit unseren Personalern - Teil 1

Pünktlich zum Bewerbungsstart für den Ausbildungsjahrgang 2021/22 stellen sich den Berufseinsteigern viele Fragen: Für welchen Berufsweg soll ich mich entscheiden, was macht eine aussagekräftige Bewerbung aus und wie gehe ich mit Lücken in meinem Lebenslauf um? Im Gespräch mit unseren Personalerinnen Marion Weidlich, Tamara Pfaff und Marie Schrader klären wir die wichtigsten Fragen.

Erhalten Sie in diesem ersten Teil des Interviews Tipps für die Berufsfindung sowie eine aussagekräftige Bewerbung.

Tipps für eine individuelle Bewerbung und die Anforderungen von Berufseinsteigern an die Arbeitswelt

Eine der wichtigsten Entscheidungen im Leben ist die Wahl des eigenen beruflichen Weges. Welche Tipps haben Sie für die Berufsfindung?

Pfaff:  Es ist richtig, dass die Berufswahl einen wichtigen Lebensabschnitt markiert. Doch ist sie nicht irreversibel, das darf man an dieser Stelle auch einmal sagen. Trotzdem ist es vorteilhaft, wenn der Beruf von Anfang an mit Umsicht und Bedacht gewählt wird und wertvolle Ausbildungs- oder Studienzeiten zum gewünschten Erfolg führen. Dabei gibt es verschiedene Wege zum Traumjob. Zunächst geht es darum, sich die eigenen Stärken und Talente bewusst zu machen und auch die eigenen Wünsche und Ziele ernst zu nehmen. Wer dabei Unterstützung braucht, findet bei der eigenen Familie oder dem engen Freundeskreis sicher Anregungen und hilfreiches Feedback. Hat man einen oder mehrere Bereiche ins Auge gefasst, bieten sich Praktika oder auch Ferienjobs in diesen Berufen an, um einen tieferen Eindruck vom Aufgabenfeld zu erhalten. Eine hilfreiche Adresse können zusätzlich die Berufsinformationszentren (BiZ) der Agentur für Arbeit oder Online-Berufswahltests sein (z.B. Onlinestellenbörsen wie azubyo oder ausbildung.de).

Nun gibt es ja erhebliche Unterschiede in den Ausbildungswegen. Können Sie kurz darauf eingehen? Welche Vorteile bietet eine Ausbildung, welche Möglichkeiten ein duales Studium und was bringt ein Hochschulstudium?

Weidlich: Jeder dieser Wege hat seine Vor- und Nachteile. Deshalb ist es umso wichtiger, dass der Weg, der eingeschlagen wird, wirklich zu demjenigen passt, der ihn geht. Eine Ausbildung bietet die Möglichkeit, früh finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen und in einem praxisorientierten Aufgabenfeld Erfahrungen zu sammeln. Die Übernahmechancen sind meistens sehr gut. Nebenaspekte sind: Durch einen festgelegten Ausbildungslehrplan sind die Lerninhalte von Anfang an klar definiert, weshalb es kaum Spielräume gibt und die Gehaltsentwicklung limitiert ist. Bei einem dualen Studium wird zwar auch Praxiserfahrung mit theoretischen Inhalten verknüpft, aber die Entwicklungsperspektiven – auch mit Blick auf das Gehalt – sind größer. Diese entschädigen oft für ein hohes Maß an Fleiß und Einsatzbereitschaft, das schon während des Studiums erforderlich ist. Ein Hochschulstudium dagegen fordert im Lernprozess ebenfalls viel Disziplin und Eigeninitiative ein, bietet aber in der Regel wenig Praxiserfahrung. Dafür profitieren Akademiker von guten Karrierechancen. Sie sehen: Welcher Ausbildungsweg zu wem passt, ist typbedingt – und hängt natürlich auch von den individuellen Zielen ab.

Nun ist die Entscheidung für einen Berufsweg gefallen. Aber wie gelingt ein aussagefähiges Bewerbungsschreiben überhaupt?

Weidlich: Uns ist wichtig, einen Eindruck von der Persönlichkeit herauszulesen. Berufseinsteiger wie Auszubildende können ja meist allein aufgrund ihres Alters noch nicht viele berufliche Stationen vorweisen. Deshalb ist es hilfreich, einen Schwerpunkt auf besondere Fähigkeiten oder Interessen zu legen, mit denen sich jemand von anderen Bewerbern abhebt. Dabei hilft es natürlich, nicht allein gängige Hobbies anzugeben, wie beispielsweise Lesen oder Joggen. Interessante Unterscheidungsmerkmale sind besondere Reisen oder interkulturelle Erfahrungen, aber auch Praktika, die gewisse Rückschlüsse auf Vorkenntnisse zulassen. Zusätzlich achten wir darauf, welche Begründung ein Bewerber für sein Interesse an einer Ausbildungsstelle bei uns angibt. Ist derjenige tatsächlich an einem unserer Ausbildungsberufe interessiert – oder ist es nur eine Zwischenlösung? Es gibt Bewerber, die zusätzlich ein eigenes Motivationsschreiben aufsetzen, das kurz und knapp die Begründung dafür liefert, weshalb sie in unserem Unternehmen einsteigen wollen. Das ist zwar nicht nötig, macht aber einen guten Eindruck und ist ein positives Unterscheidungsmerkmal. 

Gibt es weitere Tipps, worauf Berufseinsteiger in ihrer Bewerbung noch achten sollten?

Pfaff: Es sollte eigentlich selbstverständlich sein, aber leider erleben wir immer wieder, wie viele Flüchtigkeitsfehler in Grammatik und Rechtschreibung vorkommen. Das ist unnötig und aus unserer Sicht problematisch, wenn es an mehreren Stellen auffällt. Deshalb die Bitte an alle Berufseinsteiger: Lesen Sie das Anschreiben sowie sämtliche anderen Unterlagen gründlich durch oder lassen Sie es von jemandem lesen, der die Rechtschreibung beherrscht. Es ist doch schade, wenn ich mir den ersten Eindruck, den ein potenzieller Arbeitgeber von mir erhält, durch Flüchtigkeitsfehler selbst verbaue. Wichtig ist auch, den richtigen Ansprechpartner zu nennen, an den das Bewerbungsschreiben adressiert ist. Dieser ist in den meisten Fällen im Stellenprofil genannt.

Wie sollten Bewerber mit Lücken im Lebenslauf umgehen?

Schrader: Auch hier legen wir grundsätzlich großen Wert auf eine offene, unverstellte Kommunikation. Wir gehen davon aus, dass es immer einen Grund gibt, weshalb ein Lebenslauf möglicherweise nicht stringent erscheint. Wenn also jemand die Schule als besonders stressig empfunden hat und sich im Anschluss zunächst eine längere Auszeit nimmt, vorzugsweise im Ausland, ist das für uns eher ein positives Kriterium; schließlich hat derjenige Rücksicht auf seine Interessen genommen und die Zeit genutzt, um neue Erfahrungen zu sammeln. Aber auch, wenn es um schlechte Noten, die vorzeitige Beendigung eines Arbeitsverhältnisses – beispielsweise in der Probezeit – oder auch familiäre Themen geht, ist das Wichtigste, dass es eine Erklärung gibt und der Bewerber das Thema proaktiv anspricht, anstatt die vermeintliche Lücke zu vertuschen. Wie gesagt: Wer seine Interessen oder die seiner Familie anerkennt und sich in der Konsequenz eine Auszeit dafür nimmt, handelt erst einmal verantwortlich. Je nach Begründung erklärt sich dann, wie diese Auszeit bewertet werden kann.

Wir wünschen allen Berufseinsteigern viel Erfolg beim Finden ihres Traumjobs und ihrem Bewerbungsprozess!

Erfahren Sie nächste Woche im zweiten Teil des Interviews, welche Veränderungen es im Bewerbungsprozess bei uns gibt, wie ein digitales Vorstellungsgespräch gelingt und welche Auswirkungen Corona für das zukünftige Arbeiten hat.

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